In Vitro Fertilisation (IVF) und Intra Cytoplasmatische Spermien Injektion (ICSI)

Im Gegensatz zur Insemination erfolgt bei der IVF (InVitroFertilisation) und beim ICSI (IntraCytoplasmatischeSpermienInjektion) die Vereinigung der aus dem Eierstock der Frau entnommenen Eizellen (Oozyten) mit den Samenzellen (Spermien) des Mannes ausserhalb des Körpers im Reagenzglas, eben „in vitro“ (lat. Vitrum = Glas).

Die Verschmelzung des Erbmaterials (=Befruchtung = Fertilisierung) erfolgt dabei genau so selbständig wie sonst auch. „Künstlich“ ist eigentlich nur der Ort, wo die Befruchtung stattfindet. Ich rede deshalb lieber von „Reagenzglas“- oder „in Vitro“- als von „künstlicher“ Befruchtung.

Der Unterschied zwischen IVF und ICSI liegt nur in der Art und Weise, wie die Samenzelle in die Eizelle gelangt: Bei der IVF dringt eine von vielen Samenzellen selbständig in die Eizelle ein. Beim ICSI wird unter dem Mikroskop eine einzelne Samenzelle mit Hilfe einer Mikropipette (ganz feine Nadel) in die Eizelle eingebracht (injiziert).

Die Spermien können naturgemäss meist über einen Samenerguss problemlos gewonnen werden. Die Eizellen hingegen müssen über einen kleinen Eingriff von der Scheide her kurz vor dem Eisprung aus den Eierstöcken abpunktiert werden. Meist werden die Eierstöcke mit einer hormonellen Behandlung dazu angeregt, ca 10-15 Eizellen zur Reife zu bringen, statt nur einer wie im normalen Zyklus, damit durch den Eingriff gleich mehrere Eizellen gewonnen werden können.

Wenn dann mehrere Eizellen befruchtet werden, kann ein Teil davon im sogenannten Vorkernstadium eingefroren werden und später in einem sogenannten Auftauzyklus in die Gebärmutter eingebracht werden, ohne dass nochmals komplizierte Hormonbehandlungen nötig sind.

Sollte es keine Spermien im Samenerguss haben, dann können manchmal aus einer Gewebeprobe des Hodens Spermien gewonnen werden (=TESE, testikuläre Spermienextraktion).

Gründe für eine IVF

  • Durch Infektionen, Endometriose oder Operationen (Unterbindung oder manchmal nach Blinddarmoperation) irreparabel verschlossene oder in ihrer Funktion eingeschränkte Eileiter
  • Männliche Fruchtbarkeitsstörung
  • Nach erfolgloser Insemination (meist nach 3 Versuchen)

Gründe für ein ICSI

  • Schwere männliche Fruchtbarkeitsstörung
  • Fehlende oder schlechte Befruchtung (=Fertilisierung) im IVF

Erfolgschancen

Die Chancen für eine Schwangerschaft nach IVF/ICSI sind in erster Linie altersabhängig, entsprechend der altersbedingten Abnahme der Fruchtbarkeit. Sie sind bis 35 J. 30%, bis 40 J 20%, und ab 40 Jahren 10% pro Zyklus mit deutlich abnehmender Tendenz. Natürlich ist die Chance auch von individuellen Faktoren abhängig. Gerne werden wir Sie diesbezüglich beraten.

Vorgehen

Stimulation

Nach einem auf Sie angepassten Protokoll werden Hormone gespritzt, welche die Eierstöcke zur Bildung von idealerweise 10-15 Eibläschen anregen. Sie oder Ihr Partner werden in der Verabreichung der Spritzen instruiert. Mittels regelmässigen Ultraschall- und Blutkontrollen wird das Wachstum der Eibläschen genau überwacht.

Ultraschallbild eines stimulierten Eierstockes (ausgemessen ein Eibläschen).

Follikelpunktion

Nach dem Auslösen des Eisprungs durch die ß-HCG-Spritze, werden die Follikel von der Scheide her mit einer Nadel punktiert und die Flüssigkeit mit den darin enthaltenen Eizellen wird abgesaugt. Dies geschieht in der Regel in einer leichten Narkose (Analgosedation, unter Kontrolle durch ein Anästhesieteam). Sie werden dazu einen Termin im IVF Labor erhalten und können einige Stunden nach dem Eingriff wieder nach Hause gehen.

Befruchtung und Kultur

Nach der Punktion werden Eizellen und Spermien in speziellen Glasschalen zusammengebracht, bzw. beim ICSI unter dem Mikroskop eine Samenzelle in die Eizelle eingebracht. Die weitere Entwicklung findet dann im Brutschrank (Inkubator) unter optimalen Umgebungsbedingungen (Temperatur, Nährlösungen, pH etc)

24 Stunden später kann man sehen, ob und wie viele Eizellen effektiv befruchtet wurden. In der Schweiz dürfen sich bis zu zwölf befruchtete Eizellen im Inkubator zu Embryonen, weiterentwickeln. Nach 5 bis höchstens 7 Tagen haben sie das Blastocystenstadium  erreicht.

Embryotransfer

Heutzutage meist 5 Tage nach der Punktion wird, wiederum im Labor, in der Regel 1 Embryo (Blastocyste) in die Gebärmutterhöhle eingesetzt. Dies geschieht über einen sehr dünnen Katheter von der Scheide her und ist schmerzlos.

Kryokonservierung

Falls zwei oder mehr Blastocysten vorhanden sind, wird in der Regel nur eine transferiert und die übrigen in flüssigem Stickstoff kryokonserviert. Sie können später in einem Auftauzyklus in die Gebärmutter eingesetzt werden. Die Zygoten dürfen nach der schweizerischen Gesetzgebung maximal 10 Jahre gelagert werden, wobei das Paar nach 5 Jahren einen Antrag um weitere Aufbewahrung stellen muss.

Wenn nach der Befruchtung mehr als 12 befruchtete Eizellen (=Zygoten, Eizellen im Vorkernstadium) vorhanden sind, können diese jetzt kryokonserviert und in flüssigem Stickstoff gelagert werden.

Schwangerschaftstest

14 Tage nach dem Transfer, bzw. 16 Tage nach der Punktion, wird im Blut das Schwangerschaftshormon bestimmt. Ist das Resultat positiv, werde ich 2-3 Wochen später mittels Ultraschall kontrollieren, ob die Schwangerschaft sich normal entwickelt. Wenn ja, werden die weiteren Schwangerschaftskontrollen bei Ihrer/m Gynäkologin/-en oder Ihrer/m Hausärztin/-arzt durchgeführt.

Auftauzyklus

Wenn zuvor Eizellen tiefgefroren werden konnten, kann bei Nichteintreten einer Schwangerschaft oder auch bei neuem Kinderwunsch ein Auftauzyklus durchgeführt werden. Dazu wird entweder die Gebärmutterschleimhaut mit Hormontabletten oder Hormonpflastern gezielt aufgebaut oder in einem natürlichen oder stimulierten Zyklus der ideale Zeitpunkt für die Einnistung mit Ultraschall- und Blutkontrollen bestimmt.

Nach dem Auftauen der Eizellen und den ersten Zellteilungen können wiederum 2 Embryonen in die Gebärmutterhöhle eingesetzt werden.